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Die Geschichte des Alpinismus – Dauerausstellung im Alpinen Museum


Charles Melchior Descourtis. Unterer Grindelwaldgletscher, 1785. Nach Caspar Wolf, Farbaquatinta

In vier Abschnitten wird die Geschichte der alpinen Faszination erzählt. Gezeigt wird, wie insbesondere die Fremden, die Flachlandbewohner und Städter, die Alpen sahen und im Lauf der Zeit in Besitz nahmen – durch Kenntnis, Wissenschaft, Tourismus und Sport. Mit vielen Gemälden, Grafiken, Modellen und Gebrauchsgegenständen spannt die Ausstellung einen Bogen vom ausgehenden 17. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
 
Den ganzen Bestand des Alpinen Museum finden Sie auf der Website des Historischen Alpenarchivs http://www.historisches-alpenarchiv.org/.
 
 

 

Raum 1: Reiz der Wildnis. 1760–1900

Erstbesteigung des Mont Blanc...
1760 setzte der Wissenschaftler Horace Bénédict de Saussure einen Preis für die Bezwingung des Montblanc aus. 1786 wurde dieser höchste Berg Europas erstmals erstiegen. In den folgenden Jahrzehnten werden die Alpen naturkundlich und touristisch erobert. Man erkundet, beschreibt, kartiert die Gebirge, legt Wege an und baut Hütten. Um 1900 sind im wahrsten Wortsinn alle Gipfel erstiegen.
 
Die ersten Anstöße zur Erkundung der Alpen kamen vor allem aus Akademikerkreisen. Hier war das wissenschaftliche Interesse und auch das Geld vorhanden, die Alpen zu bereisen. Bedeutende Forscherpersönlichkeiten waren Belsazar Hacquet de la Motte, der bereits genannte de Saussure, Alexander von Humboldt, Hans Conrad Escher und die Gebrüder Schlagintweit.
 
 

Raum 2: Ansichten vom Berg im Wandel der Zeit
Carl Ullrich. Meine Überschreitung

48 Grafiken von der Dürerzeit bis zum Jugendstil zeigen den Wandel in der Darstellung der Berge vom
15. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Ausgestellt sind unter anderen Blätter aus der Schedelschen
Weltchronik, von Matthäus Merian, Caspar Wolf, Ferdinand Kobell und Joseph Anton Koch sowie den Bergsteigermalern Edward Theodore Compton, Hans Beat Wieland, Otto Bauriedl und Ernst Platz.
 

 

 

Raum 3: Der Alpinismus verändert sich – die Jahrhundertwende

Emile Gallé: Vase mit Matterhorn
Eisenbahnen, Automobile, Telegrafie und Telefon erleichterten in der Zeit um 1900 den Zugang zu den Alpen in inflationärer Geschwindigkeit. Mit den Bergbahnen sind die Gipfel ohne körperlichen Einsatz zu erreichen, in den Tälern wuchs ein Hotel ums andere aus dem Boden, der Bergtourismus hat sich fest etabliert. In der Kunst und den Reformbewegungen um die Jahrhundertwende spielen die Berge und ihre heilbringende Wirkung eine bedeutende Rolle.
 
Schwierigere alpinistische Anstiege, Expeditionen in unbekannte Gebirge, die neue Technik des Skibergsteigens und das Bergerlebnis mit Gleichgesinnten (z. B. Wandervogelbewegung) brachten neue Erfahrungen und machten es möglich, sich von der Masse abzusetzen.
 

 

Raum 4: Alpinismus und Politik

Der Erste Weltkrieg erschütterte die gesellschaftliche Ordnung, mit weitreichenden Folgen auch für den Alpinismus. Selbstbewußtsein zogen die Deutschen nach dem verlorenen Krieg unter anderem aus dem Bergsport, das Bergsteigen wird nationalisiert und militarisiert. Gleichzeitig wurde die vermeintlich unveränderbare Bergwelt zum Fluchtraum vom unüberschaubar gewordenen modernen städtischen Leben und der neuen politischen Ordnung der Weimarer Republik.
 
Im Deutschen und Österreichischen Alpenverein gewannen frühzeitig völkisch, antisemitisch
Alois Konrad Schwärzler. „Ein Volk – ein Reich – ein Führer. So grüßte Tirol seinen Führer Adolf Hitler!“, 1938. Holzschnitt
und nationalistisch eingestellte Mitglieder die Oberhand: Bereits 1924 wird die jüdische Sektion
Donauland ausgeschlossen, der Alpenverein hat damit bis auf wenige Ausnahmen, lange vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, keine jüdischen Mitglieder mehr.
 
Die Medienwirksamkeit der Bergwelt und ihrer Helden wurde mit dem Aufkommen von Film und Illustrierten entdeckt. Bergfilme und Bildberichte verliehen dem Bergsteigen eine bisher ungeahnte Breitenwirkung auch fernab des letzten Hügels.
 
Die Nationalsozialisten nutzten das Bergsteigen nach der Machtergreifung 1933 schnell für sich. Die Expeditionen der Deutschen Himalaja-Stiftung zum Nanga Parbat und die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand wurden im nationalsozialistischen Deutschland zu großen Medienereignissen stilisiert.
 
 

 

 
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