Unser Bergmensch der Woche: Dieses Mal stellen wir euch den Förster Bernhard Reissner vor...
Freut euch in den nächsten Wochen auf spannende Persönlichkeiten und interessante Geschichten. Sie berichten von ihren Kraftorten, ihrem Antrieb in den Bergen und den schönen abwechslungsreichen Momenten im Gebirge.
Über
Der Wald und die Berge gehören unweigerlich zusammen. Damit die Bergwälder in den Bayerischen Voralpen gesund bleiben und sich stabil entwickeln können, sind Förster wie Bernhard Reissner wichtige Helfer für die Natur. In der Region Schliersee, genauer gesagt im Revier Spitzingsee, praktiziert Reissner die Strategie der Bayerischen Staatsforsten des Schützens und Nutzens zur Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt. Er ist verantwortlich für 6.000 Hektar Wald, von der Pflanzung über die Pflege bis zur Schutzwaldsanierung.
Seit 1984 engagiert sich auch der Deutsche Alpenverein für den alpinen Schutzwald. Was mit ein bis zwei Aktionen pro Jahr begann, hat sich heute zu einem umfangreichen Programm mit bis zu 15 Aktionswochen entwickelt. An der Aktion Schutzwald beteiligen sich pro Jahr insgesamt rund 120 ehrenamtliche Helfer*innen.

Was fasziniert dich so an den Bergen?

Was fasziniert an den Bergen? Es ist aus meiner Sicht der Naturraum, der eigentlich die größte Vielfalt mitbringt. Wir haben eine unendliche Bandbreite an Tier- und Pflanzenwelt. Wir haben viele geschützte Arten. Sei es zum einen der Wald oder zum anderen die Almwirtschaft. Also, wir haben halt einfach ganz, ganz viel Abwechslung. Und das, finde ich, macht es einfach spannend.

Wenn du so viel im Wald unterwegs bist, bist du da auch manchmal einsam oder genießt es dann?

Also eher genieße ich die Ruhe. Ehrlicherweise zugegeben, weil es ist halt einfach schön ist. Es sind bei uns viele Bereiche mit dabei, wo das Telefon nicht geht und im Endeffekt: Telefon und Emails sind heutzutage zwei ganz deutliche Stressfaktoren, von denen man immer in gewisser Weise getrieben wird. Und da kann ich oftmals ganz ungestört mein Arbeitspensum abarbeiten und das genieße ich.

Hast Du denn bei deiner Arbeit auch besondere Berührungspunkte mit Besuchern?

Die haben wir eigentlich tagtäglich. Ich bin normalerweise zwischen sechs und acht Stunden am Tag auf der Fläche unterwegs, da kommt man natürlich immer in Berührung mit unseren Waldbesuchern. Das ist oftmals ganz interessant, weil man oft ins Gespräch über unsere Arbeit kommt. Was macht den Bergwald aus? Was sind unsere Leistungen im Bergwald? Das sind halt interessante Dinge.
Schwierig wird es zum Beispiel dann, wenn wir tatsächlich Holzfällarbeiten haben. Wir haben Bereiche abgesperrt, die Absperrungen werden missachtet. Das macht es für uns schwierig. Oder, wenn wir jetzt in Zusammenarbeit mit dem Alpenverein die Waldwild-Schutzgebiete absperren, da wäre es einfach schön, wenn man die einhält. Sie helfen einfach einigen unserer seltenen Tierarten gut zu überwintern oder auch in den Brut und Aufzuchtzeiten ungestört über die Runden zu kommen.

Und wie bist du eigentlich zum Beruf des Försters gekommen?

Zum Förster? Ja, das ist in gewisser Weise in die Wiege gelegt. Mein Vater war auch Förster. Allerdings nicht in den Bergen, sondern im Flachland. Und da bin ich praktisch von klein auf im Förster-Haushalt aufgewachsen. Da entwickelt man natürlich die Begeisterung für die Natur, für das Arbeiten an und mit der Natur. Von daher war die Berufswahl für mich eigentlich relativ bald klar.

Welche besonderen Aufgaben hat ein Förster in den Bergen?

Zusätzlich zu den „normalen“ Aufgaben eines Försters kommen im Bergwald die Tätigkeiten im Bereich der Schutzwaldsanierung dazu. Wir versuchen hier, die teilweise sehr lichten und sehr alten Wälder zu verjüngen. Das heißt, wir pflanzen kleine Bäume, um eine neue Generation Bergwald zu erhalten.

Welche Maßnahmen ergreifst du, um den Wald zu schützen und zu pflegen?

Wir wollen auch im Gebirge möglichst klimatolerante und stabile Wälder erreichen. Ideal wäre hier großflächig der Bergmischwald aus Fichte, Tanne und Buche. Diese machen den Hauptteil der Baumarten aus. Dazu kommen dann noch Bergahorn, Lärche, Kiefer, Esche und seltene Baumarten wie die Ulme oder die Eibe. Am stabilsten wäre der Wald, wenn wir alle Altersstufen auf der Fläche gemischt hätten, sozusagen ein Mehrgenerationenhaus unterschiedlicher Baumarten. Um dies zu erreichen, schaffen wir durch die Entnahme von Bäumen bereits in recht jungen Beständen Verhältnisse, in denen die nächste Generation Wald schon wachsen kann. Teilweise erhalten wir die neue Generation durch Naturverjüngung, dann fallen von den vorhandenen Altbäumen die Samen auf den Boden keimen und es wächst ein neuer Baum. Geht dies nicht, da die Baumart im Altbestand nicht vorhanden ist oder der Boden sehr stark vergrast ist, dann pflanzen wir die entsprechenden kleinen Bäume auf der Fläche. In den Bereichen, die sich natürlich verjüngt haben, dominiert oftmals die Buche und unterdrückt alle anderen Baumarten. Diesen helfen wir dann und entnehmen aktiv die Buche. Damit helfen wir nicht nur den Bäumen. Gleichzeitig werden dadurch im Wald Strukturen geschaffen, die zum Beispiel auch dem Auerwild sehr gut gefallen.

Wie arbeitet ein Förster mit der lokalen Gemeinschaft zusammen?

Wir arbeiten mit unterschiedlichen Partnern zusammen, an erster Stelle mit den Almbauern, die ja auch große Bereiche am Berg bewirtschaften und damit sozusagen unsere Nachbarn sind. Weitere Partner sind die Bergbahnbetreiber, die Tourismusverbände, die Gemeinde und selbstverständlich auch der Alpenverein. Hier sind wir zum Beispiel mit der Aktion Schutzwald in enger in Zusammenarbeit. Ein weiterer wichtiger Partner ist die Gebietsbetreuung Mangfallgebirge. Hier haben wir als gemeinsame Themen den Natur- und Artenschutz sowie die Besucherlenkung. Die meisten Aktionen laufen auf dem „kleinen Dienstweg“ als Absprache mit einzelnen Almbauern, mit der Gebietsbetreuung Mangfallgebirge, den Rangern oder den einzelnen Gemeinden.

Hast du noch Hinweis an die Besucher und Besucherinnen, die hier am Berg und im Wald sind?

Was ideal wäre: Dass man sich auf den ausgeschilderten Wege bewegt. Jede Wildart kommt mit Ruhestörung zurecht, wenn sich die immer auf den gleichen Straßen und Wegen bewegt. Da wissen die Tiere relativ schnell: da kommt der Tourist, aber der tut nix. Aber das Problem ist, wenn man querfeldein geht, gerade früh oder abends in der Dämmerung, dann kommt die Störung für jedes Tier relativ kurzfristig und unverhofft. Es wird immer mit einer Flucht reagiert und Flucht heißt immer Kraftverbrauch. Das kann gerade im Winter dann für einige Wildarten wirklich schwierig werden.
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Weitere Informationen gibt es bei unserem Partner Bergader.